Die Mühlen der Bürokratie - Ein Interview mit der Integrations- und Behindertenbeauftragten Annett Noack

Am 02.03.2017 hat­ten wir Annett Noack bei uns zu Besuch. Sie ist 42 Jah­re alt und hat 2 Kin­der. Frau Noack hat Sozi­al­päd­ago­gik stu­diert und arbei­tet nun im Land­kreis als Inte­gra­ti­ons- und Behin­der­ten­be­auf­trag­te. Bei unse­rem Inter­view haben wir sie als ers­tes auf die Abschie­bung von Asyl­be­wer­bern ange­spro­chen. Sie woll­te uns, bevor sie auf die­ses The­ma ein­geht, einen gro­ben Ein­blick davon geben, was vor der Abschie­bung pas­siert. Die 42jährige berich­te­te, dass die Asyl­be­wer­ber sich als ers­tes beim Staat mel­den müs­sen (Eisen­hüt­ten­stadt) und dort kön­nen sie dann Asyl bean­tra­gen. Von dort aus wer­den sie dann in die Kom­mu­nen geschickt. Da die Fami­li­en einem Land­kreis zuge­ord­net wur­den, wer­den die Kin­der schul­pflich­tig. Wäh­rend­des­sen läuft das Asyl­ver­fah­ren wei­ter. Nach einer gewis­sen Zeit wer­den die Fami­li­en ein­ge­la­den um zu schil­dern, war­um sie geflo­hen sind. Danach wird geprüft, ob sie die Wahr­heit sagen. Nach 3 Mona­ten bis 2 Jah­ren kriegt man dann den Ableh­nungs­be­scheid, wenn die Grün­de nicht aner­kannt wer­den. Der Abschie­bungs­be­scheid erfolgt, wenn die Fami­li­en nicht von selbst abge­reist sind, da sie ja extra hier­her gekom­men sind und eine Flucht pro Per­son ca. 6.000 – 8.000 Euro kos­tet. Der Land­kreis hat kei­nen Ein­fluss auf den Abschie­bungs­be­scheid. Wenn sie es nicht akzep­tie­ren, gibt es eine Här­te­fall­kom­mis­si­on. Der Bran­den­bur­gi­sche Innen­mi­nis­ter (Herr Schrö­ter) bestimmt, ob sie blei­ben kön­nen.

Nach­dem wir mit Frau Noack die­sen Punkt geklärt haben, woll­ten wir dann noch wis­sen, was es mit dem Dub­lin-Ver­fah­ren auf sich hat. Für alle, die nicht wis­sen, was das Dub­lin-Ver­fah­ren ist: es besagt, dass Asyl­ver­fah­ren in dem Land bean­tragt wer­den müs­sen, in dem man zuerst euro­päi­schen Boden betre­ten hat. Es ist aber unmög­lich, dies wegen der hohen Anzahl an Flücht­lin­gen durch­zu­set­zen. Sie lau­fen also unge­hin­dert durch Euro­pa, vie­le von ihnen wol­len nach Deutsch­land. Soll­te ihr Asyl­grund aner­kannt wer­den, bekom­men sie eine Auf­ent­halts­er­laub­nis. Auf die Fra­ge, war­um meist nur jun­ge Män­ner die Flucht antre­ten, ant­wor­te­te uns Frau Noack, dass die Flucht ja ziem­lich teu­er ist, und man möch­te, dass der Flücht­ling gut ankommt, um zu arbei­ten und Geld zu ver­die­nen. Am Anfang füh­len sie sich hier nicht rich­tig wohl und wol­len, wenn wie­der Frie­den ist, in ihr Land zurück. Aber nach­dem sie sich gut inte­griert haben, blei­ben sie doch hier. Sowie auch ihre Reli­gi­on.

Was uns nun zum nächs­ten The­ma bringt: euch ist sicher auf­ge­fal­len, dass vie­le über das The­ma Ver­schleie­rung reden. Auch dazu woll­ten wir etwas wis­sen. Uns wur­de gesagt, dass in Forst knapp 1.400 Leu­te aus ande­ren Län­dern kom­men, aber kei­ner voll ver­schlei­ert ist, son­dern höchs­tens ein Kopf­tuch trägt. Auch wenn selbst das eini­ge nicht so toll fin­den. Jedoch ist zu beob­ach­ten, dass nach eini­ger Zeit auch ein Teil die­ser Frau­en ihre Kopf­tü­cher able­gen.

Unser nächs­tes The­ma waren behin­der­te Flücht­lin­ge. Die­se wer­den in Pots­dam und Königs Wus­ter­hau­sen unter­ge­bracht, dort gibt es spe­zi­el­le Ein­rich­tun­gen für die­se Fäl­le. Die meis­ten haben dazu noch wegen des Krie­ges eine psy­chi­sche Beein­träch­ti­gung. Die sprach­li­che Bar­rie­re macht eine The­ra­pie noch schwie­ri­ger. Eben die­se sprach­li­che Bar­rie­re ist viel­leicht auch ein Grund, war­um es so vie­le Asyl­geg­ner gibt. Da es die freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Deutsch­land gibt, kann jeder sei­ne Mei­nung kund tun, z.B. dass man gegen Asyl ist. Um jeman­den von die­ser Mei­nung abzu­brin­gen, hilft z.B. die Begeg­nung mit Flücht­lin­gen, wie Frau Noack erklärt. Außer­dem hel­fen auch Auf­klä­rung und Fak­ten. Die Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te ver­sucht mit Bür­gern zu reden, die gegen Asyl sind und sie auf­zu­klä­ren.

 

Und so hof­fen wir von Ber­tas Blog, mit die­sem Inter­view zumin­dest einen klei­nen Teil dazu bei­ge­tra­gen zu haben. Soll­tet ihr noch fra­gen haben, dann schreibt sie ent­we­der als Kom­men­tar unter die­sen Arti­kel oder in einer Mail an redaktion@bertasblog.com, wir freu­en uns auf eure Reak­tio­nen und Nach­fra­gen.

 

LK

 

Bild: Made­lei­ne Petsch­ke


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