And the Oscar goes to: Mankind ... and Hollywood

Ja es hat Vor­tei­le, nicht früh auf­ste­hen zu müs­sen, und einer davon zeig­te sich heu­te Nacht: Ich konn­te die Preis­ver­lei­hung der Aca­de­my Awards, der Oscars, live für Ber­tas Blog, und somit für euch, mit­ver­fol­gen.

Ich will euch hier aber nicht sagen, wer wel­chen der 24 Oscars gewon­nen hat, das kann Goog­le viel bes­ser. Nein, ich möch­te euch ganz kurz von mei­nen Ein­drü­cken berich­ten, die ich im Ver­lauf die­ser sehr lan­gen Nacht hat­te. Und zwar wirk­lich nur kurz, denn ich habe noch ein wenig Schlaf nach­zu­ho­len.

#Oscars­sowhite ist vie­len von euch viel­leicht noch vom letz­ten Jahr in Erin­ne­rung geblie­ben, und das auch mit Recht. Die­ses Jahr gab es da jedoch etwas Bes­se­rung, beson­ders am Anfang der Preis­ver­lei­hung zeig­te sich ein ange­nehm gemisch­tes Bild. Das ist noch aus­bau­fä­hig, sicher, aber Ras­sis­mus kann man den Oscars nun nicht mehr vor­wer­fen. Dafür aber jemand ande­rem und das war die gan­zen knapp vier Stun­den über spür­bar. Sei es durch Jim­my Kim­mel, zu dem ich gleich noch ein paar Wor­te ver­lie­ren wer­de, Ash­gar Far­ha­di, dem Regis­seur des ira­ni­schen Films „The Sales­man“, als er genau dafür den Oscar als bes­ten fremd­spra­chi­gen Film bekom­men soll­te oder Cher­ly Boo­ne Isaacs, der afro­ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­tin der Oscar-Aka­de­mie, wenn sie sagt: „Kunst kennt kei­ne Gren­zen, Kunst spricht kei­ne ein­zi­ge Spra­che, und Kunst gehört kei­nem ein­zi­gen Glau­ben.“

Und doch ist es bei maxi­mal 45 Sekun­den Rede­zeit, die die jewei­li­gen Gewin­ner für ihre Dan­kes­re­de haben, schon recht kom­pli­ziert, über­mä­ßig poli­tisch zu wer­den ohne dabei Gefahr zu lau­fen, sich auch auf eben jene 140 Zei­chen beschrän­ken zu müs­sen, für die man ande­re so kri­ti­siert. Und so blieb es dann auch bei ein paar Andeu­tun­gen hier, ein paar bösen Bemer­kun­gen da, aber bei kei­nem ech­ten Auf­schrei, kei­nem kol­lek­ti­ven Zei­chen gegen Trump, das davor so sehr beschwo­ren wur­de. Es war eher wie ein über­gro­ßer Schä­fer­hund, der zwar mal leicht knurrt, aber nie zupackt. Sehr scha­de.

Das poli­ti­sche war somit haupt­säch­lich Jim­my Kim­mel, dem Mode­ra­tor des Abends (oder der Nacht, je nach­dem, wo man sich so befin­det) über­las­sen, aber auch hier merk­te man, dass er nur ein wenig stän­kern woll­te. Es gab jede Men­ge Bezü­ge zu Trump, mal mehr, mal weni­ger direkt, mal mehr, mal weni­ger gut durch­dacht, aber denen fehl­te schlicht die Trag­wei­te. Nichts hat sich geän­dert durch ein paar gemei­ne Bemer­kun­gen über sei­ne Poli­tik. Ganz im Gegen­teil, wie ein klei­nes Kind, dass den gro­ßen Bru­der zu ärgern ver­sucht und dann sau­er ist, wenn der nicht mit­spielt, frag­te er dann irgend­wann per Twit­ter mal nach, ob eben jener gro­ße Bru­der denn noch wach wäre:

Ver­nünf­ti­ge Pro­blem­lö­sung sieht anders aus.

Und wo wir gera­de dabei sind: Es gab eine Fra­ge, die mich ein­fach nicht ein­schla­fen las­sen woll­te: Wer zum Teu­fel kam auf die voll­kom­men hirn­ris­si­ge Idee, dort Süßig­kei­ten mit Fall­schir­men von der Decke fal­len zu las­sen? Und die viel span­nen­de­re Fra­ge: WARUM?

Letz­te­re Fra­ge stell­ten sich, die­ses Mal nur berech­tig­ter­wei­se, vie­le auch bei den blau­en Ansteck­na­deln, die eini­ge der dort ver­sam­mel­ten an ihrer Klei­dung tru­gen. Ja, Pro7, das war eine Akti­on von ACLU, der Ame­ri­can Civil Liber­ties Uni­on, aber nein, Pro7, die­se Bür­ger­rechts­grup­pe hat sich nicht erst im Zuge der Pro­tes­te gegen Donald Trump gegrün­det, son­dern 1920. Ein Blick auf Wiki­pe­dia hät­te genügt. Also gab es hier­bei zumin­dest ein gewis­ses Zei­chen gegen Ras­sis­mus, Fol­ter und die Todes­stra­fe, aber mehr als Sym­bol­cha­rak­ter hat­te es dann eben lei­der auch nicht.

Apro­pos nicht: Nicht gewon­nen hat, wie ihr viel­leicht mit­be­kom­men habt, irgend­et­was deut­sches. Kein Deut­scher Film (Toni Erd­mann), kein deut­scher Kom­po­nist (Hausch­ka) und auch kein deut­scher Doku­men­tar­fil­mer (Mar­cel Met­ter­sie­fen) wur­den mit einem Oscar gewür­digt. Und, zu mei­ner per­sön­li­chen Über­ra­schung, auch nicht Hid­den Figu­res (eine Rezen­si­on fin­det ihr hier), der auf­grund sei­ner poli­ti­schen Dimen­sio­nen ein per­fek­tes State­ment abge­ge­ben hät­te. Denn dass es bei den Oscars zu einem nicht uner­heb­li­chen Teil auch um Poli­tik geht, ist mehr als nur ein offe­nes Geheim­nis. Und auch voll­kom­men legi­tim, immer­hin sit­zen dort Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler, die, was ihr Kön­nen betrifft, in der Regel über jeden Zwei­fel erha­ben sind, sodass es sehr schwer ist, da noch eine objek­ti­ve Ent­schei­dung dar­über zu tref­fen, wer nun bes­ser ist. Sel­bi­ges gilt auch für die Nomi­nier­ten Bei­trä­ge zum bes­ten Film, sodass in mei­nen Augen eine klei­ne Pri­se Bekennt­nis gegen Ras­sis­mus und für Tole­ranz durch die Ver­lei­hung eines Oscars an Hid­den Figu­res nicht nur unpro­ble­ma­tisch, son­dern sogar äußerst wün­schens­wert gewe­sen wäre. Mit 6 Oscars kei­ne Gedan­ken über sowas machen muss­te sich der Gewin­ner des Abends, La La Land, was bei 14 Nomi­nie­run­gen aber auch nicht anders zu erwar­ten war. Und um ein Haar wären es ja schließ­lich auch 7 gewor­den.

Denn ja, ich bin mir sicher, auch ihr habt die Sto­ry mit­be­kom­men, aber falls nicht, hier noch­mal ganz kurz: Bei der Ver­lei­hung des Oscars in der Königs­dis­zi­plin, bes­ter Film, kam es zu einer, nun, sagen wir mal, Ver­wir­rung. Denn War­ren Beat­ty liest ein­fach den fal­schen Film vor, ohne es zu mer­ken. Doch als die Dan­kes­re­de für La La Land gera­de dabei ist, fahrt auf­zu­neh­men, mel­det sich Jor­dan Horo­witz (Titel­bild, links) zu Wort und erklärt, dass auf dem Zet­tel nur lei­der etwas ganz ande­res steht. Das glaubt ihm aber irgend­wie nie­mand so recht, bis er schließ­lich die Kar­te in die Kame­ra hält.

Defi­ni­tiv einer der amü­san­te­ren Momen­te die­ser elen­dig lan­gen Ver­an­stal­tung, die zwar weni­ger ras­sis­tisch und mehr poli­tisch war als die der letz­ten paar Jah­re, aber, wie das bei solch gro­ßen Ver­an­stal­tun­gen üblich ist: to litt­le, to late.

Und als sie dann end­lich vor­bei war und ich um halb 7 mal anfan­gen konn­te einen Gedan­ken dar­an zu ver­schwen­den, mich schla­fen zu legen mach­te ich noch, wie immer, wenn ich ein­schla­fen möch­te, das Radio an, nur, um mit­ten in einer Repor­ta­ge über die Her­stel­lung von Trump-Perü­cken zum Kar­ne­val zu lan­den.

Ihr könnt euch den­ken, wovon ich die­se Nacht Träu­men muss­te.

 

JB

 

Bei­trags­bild: ABC News


Schreibe einen Kommentar