Die bösen, bösen Flüchtlinge - oder nicht? EUROPER Tag 1

Die­se Woche ist Euro­pa­wo­che, in der wir als Euro­pa­schu­le natür­lich ein Euro­pa-Pro­jekt durch­füh­ren. Seit 2015 ver­an­stal­ten die GEKO und Eurosoc#digital jedes Jahr mit dem elf­ten Jahr­gang das zwei­tä­gi­ge Pro­jekt „EUROPER“, wel­ches sich mit euro­päi­schen Per­spek­ti­ven in der Asyl­po­li­tik ver­fasst.

Tag 1 des Pro­jek­tes – Mitt­woch, der 10.05.17 – star­te­te wie jeder Schul­tag um 7.40 Uhr. Zur Ein­füh­rung in das Pro­jekt wur­de sich die Fra­ge gestellt, war­um Men­schen ihre Hei­mat ver­las­sen. Miss­stän­de, wie etwa Armut, Kli­ma­ver­än­de­rung, Unter­ernäh­rung, Kin­der­ar­beit, Natur­ka­ta­stro­phen oder Was­ser­qua­li­tät füh­ren zu Krieg. Und die­ser wie­der­rum lässt Men­schen aus ihrer Hei­mat flüch­ten.

Nach der Ein­füh­rung wur­den die Schü­ler in drei Work­shops auf­ge­teilt. Work­shop 1 beschäf­tig­te sich mit einer Fra­ge, die sich wohl jeder von uns in den letz­ten Jah­ren min­des­tens ein mal gestellt hat: Wer erhält in Deutsch­land Asyl? Um sich mit die­ser Pro­ble­ma­tik aus­ein­an­der zu set­zen, wur­den die Schü­ler in Grup­pen auf­ge­teilt: Gewis­sens­grup­pen und Geset­zes­grup­pen. Die muss­ten nun nach Gewis­sen oder eben Gesetz ent­schei­den, wel­cher der „Bei­spiel­flücht­lin­ge“ Asyl bekom­men soll­te und wel­cher nicht. Dabei kamen vie­le Fra­gen auf. Soll­te unser Asyl­ge­setz über­dacht wer­den? War­um wird ein Unter­schied zwi­schen Wirt­schafts- und Kriegs­flücht­lin­gen gemacht, wo doch in bei­den Situa­tio­nen Lebens­ge­fahr besteht? Ist es unter­las­se­ne Hil­fe­leis­tung, einen Asyl­an­trag abzu­leh­nen, wenn der Flücht­ling des­halb ster­ben könn­te? All die­se Moral­fra­gen las­sen sich schwer beant­wor­ten. Den­noch muss man eines immer in Betracht zie­hen: Flucht kann auch unse­re Regio­nen betref­fen. Wenn etwa der Mee­res­spie­gel durch das Schmel­zen der Pol­kap­pen ansteigt, müs­sen Nie­der­län­der und Meck­len­bur­ger ihre Hei­mat ver­las­sen. Wür­den wir denen auch so skep­tisch gegen­über ste­hen?

Work­shop 2 befass­te sich mit Euro­pa und der Flücht­lings­kri­se. Zu Beginn hör­ten die Schü­ler einen Vor­trag, der die EU zum The­ma hat­te. Sie erfuh­ren, wel­che Län­der zur EU gehö­ren und wann die­se bei­ge­tre­ten sind. Außer­dem dis­ku­tier­ten sie über die Funk­tio­nen der EU und zu wel­chem Zweck sie gegrün­det wur­de. Anschlie­ßend wur­den die Schü­ler in ver­schie­de­ne Län­der­grup­pen ein­ge­teilt. Jede Grup­pe beschäf­tig­te sich jeweils mit einem Land: Ungarn, Groß­bri­tan­ni­en, Grie­chen­land und Mal­ta. Für jedes Land soll­te ein State­ment zur Flücht­lings­pro­ble­ma­tik abge­ge­ben wer­den. Dabei wur­den die Ein­stel­lun­gen der ein­zel­nen Län­der zu die­sem The­ma ver­deut­licht. Danach wur­de in gemisch­ten Län­der­grup­pen wei­ter­ge­ar­bei­tet. Jedes Land war in der neu­en Grup­pe ver­tre­ten. Gemein­sam soll­te eine Lösung gefun­den wer­den, wobei das wei­te­re Ster­ben von Flücht­lin­gen ver­hin­dert aber auch die Inter­es­sen der Län­der ver­tre­ten wer­den soll­ten.

Im drit­ten Work­shop beschäf­tig­ten sich die Schü­ler mit Inte­gra­ti­on – der logi­schen und wich­ti­gen Kon­se­quenz von Migra­ti­on. Natür­lich muss für Inte­gra­ti­on Geld aus­ge­ge­ben wer­den, wenn auch lan­ge nicht so viel, wie eini­ge befürch­ten. Die Schü­ler haben in die­sem Work­shop – hypo­the­ti­sche – 1 Mil­li­on Euro zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men und muss­ten ent­schei­den, wozu und wie sie die­se zur Inte­gra­ti­ons­för­de­rung nut­zen. Zuerst ent­schie­den sie dies nach ihren per­sön­li­chen Emp­fin­dun­gen und Prä­fe­ren­zen, was mit dem Geld ent­schied. Da die Regie­rung aber nicht aus unse­ren Elft­kläss­lern besteht, son­dern aus Poli­ti­kern, beka­men sie dann die Rol­len bestimm­ter Poli­ti­ker zuge­teilt, aus deren Sicht sie die Ver­tei­lung des Gel­des bestim­men soll­ten.

Im letz­ten Teil des ers­ten Tages, beka­men die Schü­ler die Mög­lich­keit, ihr neu erwor­be­nes Wis­sen im Gespräch mit der Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten des Land­krei­ses Spree-Nei­ße, Annett Noack, zu ver­tie­fen. (Ihr fin­det unser Inter­view mit ihr vom 2. März 2017 hier.)

 

Lest mor­gen hier, wie der zwei­te Tag des EURO­PER-Pro­jek­tes gelau­fen ist.


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