Homophobie - Pauline Kling

Homo­pho­bie ist die Angst gewis­ser Män­ner davor, von einem ande­ren Mann auf die Art als Beu­te betrach­tet zu wer­den, wie sie selbst es bei Frau­en tun.

In Zei­ten des Inter­nets bin ich damit wahr­schein­lich schon wie­der viel zu spät dran, aber den­noch kann ich es nicht unkom­men­tiert las­sen.

Ganz You­Tube ist in Auf­ruhr, weil Homo­pho­bie wie­der zum Trend zu wer­den scheint. Und sein wir ehr­lich, das ist im 21. Jahr­hun­dert völ­lig fehl­plat­ziert.

Mitt­ler­wei­le soll­ten wir alle wis­sen, dass Schwu­le, Les­ben, Bise­xu­el­le Tran­se­xu­el­le, Ase­xu­el­le und was es nicht noch alles gibt kei­nem was tun. Wenn dir ein*e Homosexuelle*r vom glei­chen Geschlecht bege­get, wird er oder sie dir nicht gleich die Zun­ge in den Hals ste­cken und dich begrab­schen. Das wür­den ja auch die wenigs­ten Hete­ro­se­xu­el­len beim ande­ren Geschlecht machen (hof­fe ich). Doch anschei­nend hat das noch immer nicht jeder ver­stan­den.

Wenn euer bes­ter Freund oder eure bes­te Freun­din sich auf ein­mal als Homo-, Bi-, oder was-auch-immer-sexu­ell outen wür­de, dann wür­det ihr die Per­son doch danach auch nicht ver­ab­scheu­en und ver­sto­ßen oder? Die Sexua­li­tät hat doch schließ­lich über­haupt nichts mit dem Cha­rak­ter, dem Bil­dungs­stand, den Welt­an­schau­un­gen, den Leis­tun­gen oder der poli­ti­schen Mei­nung einer Per­son zu tun; sie ändert doch nichts an der Per­son. Und nein, Homo­se­xua­li­tät heißt auch nicht, dass jeder Schwu­le femi­nin und jede Les­be mas­ku­lin ist, das ist Blöd­sinn. Ein lei­der viel zu weit ver­brei­te­ter Irr­glau­be ist übri­gens auch, dass in einer homo­se­xu­el­len Bezie­hung einer „denn Mann spielt und einer die Frau“. Ich bit­te euch, wenn die­je­ni­gen einen Mann und eine Frau in einer Bezie­hung haben wol­len wür­den, wäre sie nicht homo­se­xu­ell, denkt doch mal zwei Sekun­den nach, bevor ihr sowas sagt.

Im Übri­gen ist es auch homo­phob, jeman­den als Schwuch­tel zu bezeich­nen, aber das soll­te eigent­lich jedem mit gesun­den Men­schen­ver­stand klar sein. – Ach nein, ich ver­gaß, gesun­der Men­schen­ver­stand und Homo­pho­bie schlie­ßen sich gegen­sei­tig aus.

Und bit­te, hört auf euch auf die Mei­nungs­frei­heit zu beru­fen. Homo­pho­bie ist kei­ne Mei­nung. Es ist kei­ne Mei­nung, die Lie­be ande­rer Men­schen zu be- und ver­ur­tei­len, das macht schließ­lich mit Hete­ro­se­xu­el­len auch nie­mand. Letzt­end­lich sind es zwei Men­schen, die sich inein­an­der ver­lie­ben. Und das ist voll­kom­men unab­hän­gig davon, ob bei­de einen Penis, bei­de Brüs­te oder sonst was haben. Das Sex­le­ben ande­rer Men­schen geht doch nie­man­den etwas an. Ist es nicht voll­kom­men irrele­vant, ob Per­son XY „50 Shades of Grey“ oder Blüm­chen­sex jetzt mit einem Mann oder einer Frau prak­ti­ziert? Ja, im 21. Jahr­hun­dert ist es das.

Ich will damit jetzt nicht sagen, dass ihr ande­re Sexua­li­tä­ten total toll fin­den müsst. Aber hört doch bit­te auf, sie zu ver­ur­tei­len und viel­leicht sogar zu belei­di­gen, das geht euch nichts an und ihr müsst auch nichts damit zu tun haben, wenn ihr das nicht möch­tet. „Leben und leben las­sen“ heißt hier das Stich­wort.

Und so möch­te ich mit dem alt­be­währ­ten Song­text der Ärz­te schlie­ßen: Man­che Män­ner lie­ben Män­ner, man­che Frau­en lie­ben Frau­en, da gibt’s nichts zu bedau­ern du nichts zu stau­nen, das ist genau so nor­mal wie Kau­gum­mi kau­en.

PK

Bei­trags­bild: slate.com


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