Passengers - Titanic im Weltraum

„Die bei­den Stars sind min­des­tens genau­so gut wie die Spe­zi­al­ef­fek­te, doch lei­der treibt der Film fast so füh­rungs­los durch die Gegend wie der Raum­damp­fer und funk­tio­niert wirk­lich auf kei­ner Ebe­ne. Nicht als Hor­ror­sze­na­rio, nicht als Lie­bes­film und - das ist das größ­te Man­ko - nicht mal als Sci­ence­fic­tion-Film.“ - Alex­an­der Soy­ez, Film­re­dak­teur bei Info­ra­dio

Und ich bin, lei­der, durch­aus geneigt, ihm Recht zu geben.

Ein Raum­schiff, das sich im Auto­pi­lo­ten durch das Welt­all bewegt, auf einer 120 Jah­re dau­ern­den Rei­se zu einem neu­en Pla­ne­ten, Super­com­pu­ter, die nicht in der Lage sind, einem rie­si­gen Gesteins­bro­cken aus­zu­wei­chen und jede Men­ge Alko­hol sind die Haupt­zu­ta­ten für den nun neu ins Kino kom­men­den Film „Pas­sen­gers“. Und obwohl sich über 5000 Per­so­nen an Bord die­ses Schif­fes befin­den, stand im Abspann der Name der Per­son, die einem Sushi-brin­gen­dem Robo­ter ihre Stim­me gege­ben hat, bereits an 7. Stel­le. Denn eigent­lich soll­ten alle schla­fen, und im 120 Jah­ren wie­der zu erwa­chen, 4 Mona­te vor ihrer Ankunft auf Homes­te­ad II. Doch nach einer Kol­li­si­on mit einem Eis­ber... par­don, einem Aste­ro­iden lau­fen die Din­ge ein wenig anders als geplant. Der gan­ze Film kommt dabei mit nur vier nen­nens­wer­ten Dar­stel­lern aus, von denen nur einer, ein Andro­ide, frei­wil­lig wach ist und ein ande­rer nicht wirk­lich lan­ge durch­hält. Und so liegt es schluss­end­lich an Jim Pres­ton und Auro­ra, sich, wie soll­te es anders sein, zu ver­lie­ben, zu has­sen, wie­der zu ver­lie­ben, die Mensch­heit zu ret­ten und einen Baum in einem Raum­schiff zu pflan­zen.

Sicher, es war nicht alles schlecht. Die Spe­zi­al­ef­fek­te waren, wie im Zitat bereits erwähnt, wirk­lich exzel­lent, und auch Chris Pratt, bei dem ich mir wäh­rend des Fil­mes immer wie­der bewusst machen muss­te, dass er nicht Matt Damon ist, konn­te mei­ner Mei­nung nach durch­aus über­zeu­gen. Es gelang auch immer wie­der, mit Wit­zen an den rich­ti­gen Stel­len für Locker­heit zu sor­gen und die­ses Film zu einem wirk­lich sehr kurz­wei­li­gen und unter­halt­sa­men Erleb­nis zu machen. Aber abge­se­hen davon...

Bei Jen­ni­fer Lawrence viel es mir über wei­te Stre­cken schwer, in ihr etwas ande­res als eine zufäl­lig auf eine Raum­schiff gelan­de­te Kat­nis­se Ever­de­en zu sehen, auch, weil sich die Rol­len irgend­wie so unglaub­lich ähn­lich waren und von Hand­lung konn­te in die­sem Film eigent­lich kei­ne Rede sein.

Hin­zu kom­men ein paar ziem­lich gro­be Logik­feh­ler, so etwa eine Ansa­ge zur Beob­ach­tung eines, zuge­ge­ben ein­drucks­voll ani­mier­ten, Vor­bei­flu­ges an einer Son­ne, wo doch eigent­lich alle schla­fen soll­ten, Türen, die sich plötz­lich öff­nen las­sen, obwohl man dafür anfangs noch eine Brech­stan­ge brauch­te und ein Seil, wel­ches, in den unend­li­chen Wei­tes des Welt­raums, lei­der 10 Zen­ti­me­ter zu kurz war. Eigent­lich sehr scha­de.

Scha­de auch, weil man aus die­sem Film so sehr viel hät­te machen kön­nen, es am Ende aber doch wie­der nur ein sehr kli­schee­haf­ter Hol­ly­wood-Strei­fen mit vor­her­seh­ba­rem Hap­py­End wur­de.

Wer sich aber davon nicht abschre­cken lässt, beken­nen­der Jen­ni­fer Lawrence-Fan ist oder ein­fach nur 116 Minu­ten sehr kurz­wei­li­ges, stel­len­wei­se wit­zi­ges wie span­nen­des, aber nie wirk­lich über­zeu­gen­des Kino­ver­gnü­gen haben möch­te dem sei die­ser Film durch­aus ans Herz gelegt.

Ich hal­te mich hier jedoch an die Wor­te mei­nes Bru­ders, der, nach Ver­las­sen des Kino­saals zu mir mein­te: „Naja, wenn ich etwas anders vor­ge­habt hät­te, wäre es eine ziem­li­che Zeit­ver­schwen­dung gewe­sen.“

 

JB


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