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Geschichten

Mist, was ist passiert?

Schmerz. Die­ses Gefühl fuhr durch mei­nen kom­plet­ten Kör­per, als ich mei­ne Augen öff­ne­te. Wei­ße Wän­de, grau­er Boden und eine ein­zi­ge klei­ne Topf­pflan­ze schmück­ten das sonst kah­le Zim­mer. Das Zim­mer war fast kom­plett dun­kel. Mist, was ist pas­siert?, schoss es durch mei­nen Kopf. Ich blick­te durch den Raum und erkann­te eine, in kom­plett schwarz geklei­de­te, Per­son, die mich anstarr­te. Oh Mein Gott, Katie, was hast du schon wie­der ange­stellt?, frag­te ich mich selbst. Mit ruhi­gen Schrit­ten kam er auf mich zu, er kam mir bekannt vor, aber ich wuss­te nicht woher. „Katie, end­lich bist du wach”, sag­te er vol­ler Eupho­rie. Er drück­te mir einen kur­zen Kuss auf die Stirn und set­ze sich auf den Stuhl, der neben mei­nem Bett stand. Sei­ne leicht ein­ge­fal­le­ne Hand drück­te auf einen roten Knopf, der an mei­nem Bett ange­bracht wor­den war. Ein kur­zes piep­si­ges Geräusch erklang und nach fünf Minu­ten pein­li­cher Stil­le kam eine Frau her­ein. Ich befand mich in einem Kran­ken­haus. Das war nun sicher.

„Hal­lo Miss, kön­nen sie mir ihren Namen ver­ra­ten?“, frag­te mich die Frau, wahr­schein­lich eine Kran­ken­schwes­ter. Ich guck­te sie kurz über­for­dert an und nick­te: „Katie Pri­ce“. Der Mann ver­ließ kurz das Zim­mer, nach­dem er der Frau etwas ins Ohr geflüs­tert hat­te. „Katie, ich bin Dr. Pau­la Flem­ming. Kannst du dich an mich erin­nern?“, frag­te sie mich. Über­for­dert guck­te ich sie an. Geschätz­te drei Minu­ten ver­gin­gen, ohne dass irgend­je­mand etwas sag­te. Der Mann kam wie­der rein: „Char­lie ist auf dem Weg. Er wird in vier Stun­den hier ankom­men“. Ab die­sem Moment ver­stand ich rein gar nichts mehr. „Kann mir bit­te jemand sagen, was hier los ist? Wo bin ich? Wer seid ihr?“, hys­te­risch blick­te ich umher. Der Mann kam mit gro­ßen Schrit­ten auf mich zu. „Katie, erkennst du uns nicht mehr? Ich bin dein Vater.“ Sag­te er kurz und knapp. Ich hör­te kurz­zei­tig auf zu atmen. Was ist hier los? „Ich glau­be, wir soll­ten sie allein las­sen. Sie braucht viel Schlaf und Ruhe. Es ist ein Wun­der, dass sie wie­der auf­ge­wacht ist. Das wis­sen wir bei­de Jack.“

Auf ein­mal pras­sel­ten tau­send Erin­ne­run­gen auf mich ein. Das Gerät neben mir fing an, lau­te und nerv­tö­ten­de Geräu­sche von sich zu geben. Mein Kopf explo­diert gleich!, dach­te ich. Auf ein­mal spür­te ich einen klei­nen Stich auf mei­nem Arm. Alles wur­de schwarz.

„Ich weiß, es wird noch eini­ge Zeit dau­ern, bis du end­lich wie­der die Augen öff­nest, aber du musst wis­sen, dass ich war­ten wer­de! Ich wer­de immer war­ten!“, sag­te eine beru­hi­gen­de tie­fe Stim­me. Lang­sam öff­ne­te ich mei­ne Augen, weder grel­les Licht noch kom­plet­te Dun­kel­heit erwar­te­te mich. Eine ange­neh­me Raum­at­mo­sphä­re herrsch­te. Ich spür­te einen klei­nen Druck auf mei­nem Bauch. Als ich run­ter­blick­te, sah ich brau­ne, flau­schi­ge Haa­re. Ich schrei gleich los! Ich beweg­te mich und sofort schnell­te der Kopf hoch. Heiß! war das ers­te, was ich dach­te, als ich in das Gesicht des frem­den Jun­gen sah. „Katie! Oh mein Gott, ich dach­te, ich träu­me!” Ich rutsch­te weg. Das war mir alles nicht geheu­er. „Wer bist du?“, mei­ne Stim­me zit­ter­te. „Char­lie Reed. Der Jun­ge, dem du den Kopf ver­dreht hast.“

Alter­na­ti­ves Ende zum Buch „Mid­ni­ght Sun“ von Trish Cook

 

Jes­si­ca Lat­ze

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Meine eigene Weltreise

Ich füh­le das Schau­keln der See unter mir. Das ruhi­ge Hin und Her des Bugs. Das lei­se Rau­schen des Win­des wird von den lau­ten Schrei­en der Möwen unter­bro­chen. Die Son­ne brennt leicht auf mei­ner Haut – trotz­dem habe ich kei­ne Lust in den Schat­ten zu gehen. Das Radio spielt lei­se im Hin­ter­grund. Ich habe das Gefühl im Urlaub zu sei­en. Zu träu­men. Aber es ist kein Traum. Mei­ne eig­ne Welt­rei­se. Die­se finan­zie­re ich mir durch Gele­gen­heits­jobs. Dann blei­be ich so lang in einer Stadt oder einem Dorf, bis ich wie­der genug Geld habe, um wei­ter­zu­rei­sen. Dadurch ken­ne ich nun vie­le Leu­te. Ich bin mir nicht sicher, ob man immer von Freund­schaft spre­chen kann, aber irgend­was war da. Mein Han­dy vibriert neben mir. Ich igno­rie­re es und lese wei­ter. Sei­te um Sei­te sau­ge ich auf. Bald muss ich wie­der in die Stadt. Ich brau­che Lebens­mit­tel, neue Klei­dung und, ganz beson­ders, neue Bücher.

Soll­te ich noch­mal Twi­light lesen? Bei Bel­la und ihrer Drei­ecks­be­zie­hung vor­bei­schau­en? Oder soll­te ich noch­mal in die wun­der­ba­re Welt von Nar­nia ein­tau­chen?

Nach eini­gem Über­le­gen gewinnt Nar­nia. Ich will jetzt kein Lie­bes­dra­ma lesen. Nicht heu­te – denn heu­te bin ich glück­lich. Nichts kann mir den Tag ver­mie­sen. Nach­dem ich das Buch, wel­ches ich noch gele­sen habe, been­de, beschlie­ße ich in die Stadt zu gehen. Mitt­ler­wei­le ist es abends und die Tem­pe­ra­tur ist gefal­len. Mit Kopf­hö­rern im Ohr geht es zum Markt. Hier und dort lege ich Früch­te oder Gemü­se in mei­nen Korb. Danach schaue ich noch beim Fisch­markt vor­bei. Nach­dem das erle­digt ist, muss ich noch einen Punkt auf mei­ner Lis­te abha­ken. Die Bücher! Dafür gehe ich in ein klei­nes Café. Die Enke­lin der Besit­ze­rin liest genau­so gern wie ich und leiht mir Bücher. Ell­ama­ra. Von ihr kann ich sagen sie ist eine rich­ti­ge Freun­din. Sie wür­de ich nicht wie­der ver­ges­sen, wenn ich wei­ter­rei­sen wür­de – will sogar den Kon­takt zu ihr hal­ten. Ich habe ihr vor­hin schon geschrie­ben, dass ich vor­bei­kom­men und Nar­nia holen wür­de, da ich weiß, sie stu­diert. Dem­nach wür­de ich die Bücher heu­te von ihrer Groß­mut­ter bekom­men.

Nach­dem ich die Bücher abge­holt habe, mache ich mich wie­der auf den Weg zurück zu mei­nem Boot. Hun­ger habe ich kei­nen. Also ver­staue ich die Lebens­mit­tel in den Schrän­ken. Lege mich wie­der nach drau­ßen. Lese über die Anfän­ge in Nar­nia. Die Ster­ne über mir, die See unter mir. Wie­der rauscht der leich­te Wind. Die Möwen sind nun ver­stummt. Alles ist ruhig und ich kann es nur genie­ßen.

 

Pia Marie Kret­sch­mer

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Forever

fore­ver is a big word.
you will fore­ver be mine – he said
school will fore­ver be the most important thing in your life – mom said
you will fore­ver be my litt­le girl – dad said
best fri­ends fore­ver – they said
woof – he said
and now they are all gone. some­whe­re i never want to be. hap­py and great­ful for ever­y­thing they have becau­se not­hing lasts fore­ver. just remem­ber life is hard but ever­y­bo­dy is sur­vi­ving

 

Jes­si­ca Lat­ze

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Wer bin ich?

Wer bin ich?
Ich bin ein Mäd­chen
Ich bin 15 Jah­re alt
Ich bin hilfs­be­reit und fröh­lich
Ich bin nach­denk­lich und ruhig
Ich bin bunt
Ich bin Ich
Nur war­um akzep­tie­re ich das nicht?

 

Mar­le­en Tur­tel­tau­be

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Mein Ruhepol

Ich sit­ze in mei­nem Lieb­lingsca­fé, an einem Zwei-Per­so­nen-Tisch am Fens­ter. Der älte­re Besit­zer des klei­nen Cafés begrüßt mich, so wie jeden Tag. Er kommt, um mei­ne Bestel­lung auf­zu­neh­men. Ich neh­me, so wie jeden ande­ren Tag, ein Stück Scho­ko­tor­te und einen Cap­puc­ci­no. Als die Bestel­lung kommt, klap­pe ich mei­nen Lap­top auf, um mei­ne Bio-Haus­auf­ga­ben zu machen. Eine Wei­le star­re ich den bli­cken­den Cur­sor mei­nes Word-Doku­ments an. Als mir dann noch nichts ein­fällt, beob­ach­te ich die Leu­te auf der Stra­ße, wie sie hek­tisch von der Arbeit nach Hau­se oder zur Arbeit ren­nen, weil sie zu spät dran sind. Ich sehe eine Mut­ter mit ihrem Kind, sie sieht gestresst und genervt aus, ihre klei­ne Toch­ter zeigt auf die ande­ren Men­schen um sie her­um. Die Mut­ter nickt zwar, scheint aber trotz­dem irgend­wie abwe­send. Danach sehe ich eine älte­re Dame, sie trägt anschei­nend ihre Ein­käu­fe nach Hau­se, vor ihren Füßen läuft ein klei­ner Dackel und schnuf­felt alles ab, was er unter sei­ne Nase bekommt. Ich sehe, wie ein jun­ger Mann in das Café geeilt kommt. Er geht zur The­ke und bestellt sich irgend­was. Ich sehe, wie er unge­dul­dig mit sei­nen Fin­gern auf die The­ke trom­melt. Wie­der bli­cke ich auf mei­nen Lap­top, auf mein Word-Doku­ment. Der Cur­sor blinkt immer noch, ich habe immer noch kein ein­zi­ges Wort geschrie­ben und der Abga­be­ter­min ist schon in einer Woche. Trotz­dem packe ich mein Zeug zusam­men. Esse den letz­ten Bis­sen des Kuchens auf und trin­ke den letz­ten Schluck aus. Ich tre­te raus auf die Stra­ße und die Hek­tik umfasst mich. Ich las­se mich von dem Strom trei­ben, ich neh­me die nächs­te U-Bahn nach Hau­se – zu mei­nem Ruhe­pol.

 

Miri­am Sie­bert

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Karma

Ich weiß es noch wie heu­te – ein Tag wie jeder ande­re. Da beschloss ich etwas zu ver­än­dern. Von der Küche auf dem Weg zur Arbeit, über Stein und Sand mit dem Rad. Bei Schmidts Bücher­hand­lung ange­kom­men, die Arbeits­schür­ze über­ge­wor­fen, beob­ach­te ich, wie die Leu­te ein- und aus­ge­hen. Mit oder ohne neu­en Büchern. Die Tür­klin­gel läu­tet, an sich nichts Neu­es. Mein Kopf hebt sich und blickt in das wohl mar­kan­tes­te Gesicht, das ich je gese­hen habe. Schwar­ze locki­ge Haa­re fal­len über sei­ne dun­kel­grü­nen Augen. Total ver­ges­sen, dass ich eigent­lich arbei­ten müss­te, fol­ge ich dem mys­te­riö­sen Mann in die hin­ters­te Ecke, wo sich die Lek­tü­ren über Sozio­lo­gie befin­den. Etwas ver­wirrt begin­ne ich die Rega­le hin­ter ihm zu befül­len, wobei mehr als drei Bücher nicht dabei waren. Der Unbe­kann­te ist unge­fähr 30 cm grö­ßer als ich, was mit mei­nen 1,60 m nicht schwer ist. Mit dem Buch in der Hand ver­lässt er mich schon rela­tiv schnell wie­der, auf dem Weg zur Kas­se. Mein Chef ruft aus dem Lager, dass ich bit­te schnell die Kas­se über­neh­men soll. Mit lang­sa­men Schrit­ten bewe­ge ich mich. Ich begrü­ße den gro­ßen Mann kurz, neh­me ihm das Buch aus der Hand und zie­he es über den Scan­ner. Heu­te wird der Tag sein! Heu­te wer­de ich es schaf­fen, end­lich über mei­nen Schat­ten zu sprin­gen und mich zu ändern…

„Hal­lo „, sage ich vol­ler Eupho­rie. Ein kur­zes Lächeln bekom­me ich zurück sowie das Geld. Ohne eine direk­te Ant­wort, nur mit dem Wech­sel­geld in der Hand, ver­lässt er den Laden. Das war wohl ein Schuss in den Ofen. Mit hän­gen­den Schul­tern bege­be ich mich wie­der in die hin­ters­te Ecke, um die rest­li­chen neu­en Bücher ein­zu­sor­tie­ren. Von Hor­ror bis Fan­ta­sie und neu­en Duden ist alles dabei. Die Zeit ver­geht, die Bücher­sta­pel wer­den klei­ner und in genau 30 Minu­ten habe ich mei­nen ersehn­ten Fei­er­abend. End­lich! Die nächs­ten drei Tage habe ich Urlaub, ein Hoch an die Über­stun­den, die ich fast täg­lich mache. Ohne wei­te­re Zwi­schen­fäl­le ver­las­se ich nach einem kur­zen Abschied das Geschäft, schwin­ge mich auf mein Rad und fah­re geschmei­dig den 10-Minu­ten-Weg nach Hau­se. An der letz­ten Ampel jedoch fährt irgend so ein hirn­lo­ser Mensch bei Rot ein­fach über die Kreu­zung. Fast über­fah­ren und mit hohem Herz­ra­sen stei­ge ich von mei­nem Rad ab und gucke durch die Fens­ter­schei­be des Autos. Dun­kel­grü­ne Augen star­ren mich ent­geis­tert an. Wenn das nicht Kar­ma ist…

 

Jes­si­ca Lat­ze

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Musik

Musik bringt dei­nem Kör­per zum Beben,
dei­ne Gedan­ken zum Rau­chen,
dei­ne Hüf­ten zum Schwin­gen.

Dei­ne Kno­chen hören für einen Moment auf zu ros­ten,
Frei­heit, mehr spürst du nicht,
du blen­dest jeden aus.

Es ist Kunst,
Begier­de,
Ein Leben.

Du ver­suchst es ohne,
sie wur­de zur Sucht,
kei­ner kann dage­gen etwas tun.

 

Jes­si­ca Lat­ze

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den.

Die Nacht

Vögel Zwit­schern In Der Mit­tags­son­ne,
Mei­ne Haut Pri­ckelt Durch Die Son­nen­strah­len,
Musik Von Mozart Dringt Aus Mei­nem Han­dy,
Mei­ne Augen­li­der Fal­len Zu,
Den Tag Zur Nacht Machen.

Die Nacht Bricht An,
Mei­ne Augen Zucken,
Lang­sam Hebt Und Senkt Sich Mein Brust­korb,
Mein Kör­per Fühlt Sich Fit,
Die Nacht Zum Tag Machen.

Durch Die Lee­ren Stra­ßen Führt Mich Mein Kör­per,
Ver­lan­gen Nach Mond­schein Kommt In Mir Hoch,
Die Wöl­fe Heu­len In Die Tief­schwar­ze Nacht Hin­ein,
Mei­ne Füße Tra­gen Mich Durch Die Gan­ze Stadt,
Die Nacht Zur Nacht Machen.

Immer Wie­der Höre Ich Geräu­sche Hin­ter Mir,
Mei­ne Bei­ne Sind Zu Schlapp Um Schnell Zu Gehen,
Drei Rie­si­ge Tie­re Erschei­nen In Mei­nem Blick­feld,
Das Eine Ele­gan­ter Als Das Ande­re,
Mein Neu­es Leben Beginnt.

 

Jes­si­ca Lat­ze

 

Bild: Pixabay.com.

 

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Regen

Der Wind zog an mei­ner Klei­dung und der Regen durch­näss­te sie. Doch mir mach­te das nichts aus. Ich lieb­te den Regen – Unwet­ter all­ge­mein. Frü­her, als ich klein war und es reg­ne­te, tanz­te ich immer im Regen.

Der Wind wur­de stär­ker. Ich muss­te mich bemü­hen an Ort und Stel­le ste­hen zu blei­ben. Frü­her war ich mit mei­nen Eltern einen Dra­chen stei­gen las­sen, wenn der Wind so war.

Der Regen leg­te sich wie ein Man­tel um mei­ne Schul­tern. Man konn­te kaum noch rich­tig sehen.

„Wo bleibt er denn?“

Pfüt­zen bil­de­ten sich auf der Stra­ße.

In der Fer­ne waren Auto­schein­wer­fer zu sehen.

„Ist er das? Kommt er jetzt end­lich?”

Das Auto fuhr mit schnel­lem Tem­po an mir vor­bei – fuhr in eine Pfüt­ze. Was­ser spritz­te umher und traf mei­ne, schon durch­näss­te, Klei­dung.

„Was für ein……… Ella, nein. Du woll­test nicht mehr flu­chen!” Tief durch­at­men.

Er kommt bestimmt gleich.

Da! Wie­der Schein­wer­fer in der Fer­ne. Dies­mal gehe ich lie­ber ein Stück von der Fahr­bahn. Das Auto ver­lor an Tem­po, bis es kurz vor mir ste­hen blieb. Das Fens­ter wur­de run­ter­ge­las­sen.

„Na? Brauchst du eine Mit­fahr­ge­le­gen­heit?“ – „Sehr wit­zig!“

Ich öff­ne­te die Tür und stieg ein. Er ließ das Fens­ter wie­der hoch.

„Hat dich der Regen erwischt?“ – „Nein. Über­haupt nicht. Da war ein Rasen­spren­ger und ich konn­te nicht wider­ste­hen drun­ter durch­zu­lau­fen. Man Tobi...“ – „Ich lie­be dich auch Schwes­ter­herz.“

Wäh­rend der Fahrt wur­de der Regen weni­ger und der Wind immer schwä­cher. Mein Blick war nach drau­ßen gerich­tet. Ich hing mei­nen Gedan­ken nach. Ich lächel­te.

„Bis dann, alter Freund.”

 

Pia-Marie Kret­sch­mer

 

Bild: Pixabay.com.

 

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Ich

Ich weiß es noch wie heu­te – ein Tag wie jeder ande­re. Da beschloss ich etwas zu ver­än­dern. Das Pas­sier­te in einen Kar­ton zu packen – es zu ver­ges­sen. Mein Leben nun so zu leben, wie ich es mir immer vor­ge­stellt hat­te. Nun muss­te ich nicht mehr die Kanz­lei mei­ner Eltern über­neh­men. Ich konn­te jetzt mein eige­nes Café eröff­nen. Mei­ne Eltern, der Typ, der sich Freund schimpft und die soge­nann­ten Freun­de – alle konn­te ich hin­ter mir las­sen. Mein Weg führ­te mich jetzt zu mei­ner Groß­mut­ter. Sie hat­te mich immer unter­stützt, bei allem was ich getan hat­te. Der ers­te Kurz­haar­schnitt, die Gitar­re anstatt des Kla­vier­un­ter­richts. Ihre größ­te Unter­stüt­zung bekam ich aber immer, wenn es um’s Backen ging. Sie brach­te mir alles bei, was ich wis­sen muss­te. Von einem nor­ma­len Scho­ko­la­den­ku­chen über eine Apfel­tor­te.

Die Fahrt zu ihr dau­er­te etwas über drei Stun­den. Über den gesam­ten Trip lief das Radio – auch wenn die Charts nicht unbe­dingt mei­ne Lieb­lin­ge waren. Ich sah mei­ne Groß­mut­ter, sah ich schon von Wei­tem. Fin­nie, ihr klei­ner, dick­li­cher Dackel, saß dane­ben. Sie strahl­te über das gan­ze Gesicht, als sie mein Auto erkann­te. Die­ses park­te ich in ihrer Auf­fahrt und stieg aus. Fin­nie kam auf mich zuge­lau­fen. Ich beug­te mich run­ter und strei­chel­te, kraul­te ihn. Fin­nie und ich sind qua­si zusam­men auf­ge­wach­sen. Ich besuch­te mei­ne Groß­el­tern oft, als ich klei­ner war. Die­se Besu­che wur­den weni­ger, als ich in die Schu­le kam, bis dahin, dass ich sie gar nicht besuch­te. Auch nicht, als wie erfuh­ren, dass mein Groß­va­ter ster­ben wür­de. Mei­ne Mut­ter und ihre Eltern hat­ten nicht das bes­te Ver­hält­nis zuein­an­der, dafür aber war das Ver­hält­nis zwi­schen mir und mei­nen Groß­el­tern etwas Beson­de­res. Sie waren qua­si mei­ne Eltern. Mei­ne Oma kam jetzt auf mich zu und umarm­te mich. Umklam­mer­te mich, als wäre ich ihre letz­te Ret­tung. Sie muss­te nicht mehr geret­tet wer­den. Sie war ein her­zens­gu­ter Mensch, der jedem half der sie brauch­te. Ich erwi­der­te die fes­te Umar­mung, denn sie war mei­ne Ret­tung. Ohne sie wäre ich nicht aus mei­ner per­sön­li­chen Höl­le her­aus­ge­kom­men.

Ich nahm mei­ne Taschen aus dem Kof­fer­raum und folg­te mei­ner Groß­mut­ter in das alt­be­kann­te Haus. Der Duft ihrer Blau­beer­muf­fins schlug mir ent­ge­gen, als ich es betrat. Mei­ne Taschen stell­te ich im Flur ab und ging in die Küche. Zusam­men mit den Muf­fins und einem Tee setz­ten wir uns an den Küchen­tisch und spra­chen über mein neu­es Leben. Träum­ten nur, was zu Träu­men ging. Sie erzähl­te mir, dass sie schon ein klei­nes, lee­res Geschäft gefun­den hat­te, in dem Café eröff­nen konn­te.

Lei­der war das Wunsch­den­ken. Die Kanz­lei mei­ner Eltern hat­te ich nun vor zwei Mona­ten über­nom­men. Fin­nie war vor gut einer Woche weg­ge­lau­fen und mei­ne Groß­mut­ter ver­such­te ihn zu fin­den – sie war ver­zwei­felt. Der Ein­zi­ge, der ihr geblie­ben war, war nun auch weg. Ich ver­such­te am Wochen­en­de bei ihr vor­bei­zu­schau­en, was auf­grund der Arbeit so gut wie nie glück­te. Mei­ne Eltern freu­ten sich, dass sie mich noch eine Wei­le unter ihrem Pan­tof­fel hal­ten konn­ten. Die Idee, ein Café zu besit­zen, war für sie ver­flo­gen, doch in mei­nem Kopf war sie noch vor­han­den. Zwar nicht mehr ganz so groß wie vor­her aber sie war noch da.

 

Pia Marie Kret­sch­mer

 

Bild: Pixabay.com.

 

Der Bei­trag ist anläss­lich des 90. Geburts­ta­ges der Fors­ter „Jahn­schu­le“ im Rah­men der Pro­jekt­wo­che am Gym­na­si­um ent­stan­den. Am 4. Mai fei­ern vie­le Ehe­ma­li­ge im „Fors­ter Hof“ das Jubi­lä­um.
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