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Rechtsextremismus

3 Fragen an... FC Energie Cottbus

Der FC Ener­gie Cott­bus ist seit 2005 Pate für unse­re „Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge“, das Fried­rich-Lud­wig-Jahn-Gym­na­si­um Forst. Unser Team von „Ber­tas Blog“ hat Ste­fan Schar­fen­berg-Hecht, den Pres­se­spre­cher vom FC Ener­gie Cott­bus, zum The­ma „Viel­falt und Tole­ranz im Fuß­ball“ befragt. Hier nun sei­ne aus­führ­li­chen Ant­wor­ten auf unse­re 3 Fra­gen.

1) Wel­che Rol­le spielt die Migra­ti­ons­ge­schich­te von Spie­le­rin­nen und Spie­lern im Ver­ein?

Wir haben beim FC Ener­gie neben der Pro­fi­mann­schaft in der 3. Liga noch zehn Nach­wuchs­mann­schaf­ten, sowie ein Frau­en- und ein Mäd­chen­team. In den Mann­schaf­ten gibt es Spie­ler und Spie­le­rin­nen aus vie­len ver­schie­de­nen Natio­nen. Her­kunft, Aus­se­hen, Reli­gi­on usw. spie­len dabei über­haupt kei­ne Rol­le.

2) Wie bewer­ten Sie die Ein­schät­zung, der FC Ener­gie Cott­bus habe ein „rech­tes Image“?

Die­ses „Image“ wird uns auf­grund diver­ser Vor­fäl­le in den zurück­lie­gen­den Jah­ren lei­der sehr oft zuge­schrie­ben. Zu Unrecht. Denn es ent­spricht weder den Wer­ten unse­res Ver­eins, noch hat es etwas mit den bei uns han­deln­den Per­so­nen oder der Mit­glie­der­ver­samm­lung zu tun. Unse­re über 3.000 Ver­eins­mit­glie­der haben sich mit dem Bei­tritt im Ver­ein klar zu unse­rer Sat­zung bekannt. In die­ser heißt es:

§2 Zweck und Auf­ga­ben, Gemein­nüt­zig­keit

(1) Zweck des Ver­eins ist die geis­ti­ge, kör­per­li­che und cha­rak­ter­li­che Bil­dung und Erzie­hung sei­ner Mit­glie­der, ins­be­son­de­re der Jugend, sowie die Pfle­ge und die För­de­rung des Sports. Der Ver­ein steht allen Men­schen - unab­hän­gig von Ras­se, eth­ni­scher Her­kunft, des Geschlechts, einer Behin­de­rung, des Alters, sexu­el­ler Iden­ti­tät, poli­ti­scher Hal­tung und Welt­an­schau­ung - offen, sofern die huma­nis­ti­schen Grund­wer­te nicht ver­letzt wer­den. Der Ver­ein stellt sich die Auf­ga­ben der För­de­rung sport­li­cher Übun­gen und Leis­tun­gen, u.a. der Sport­art Fuß­ball, der Ein­rich­tung und Unter­hal­tung von Frau­en-, Män­ner- und Jugend­ab­tei­lun­gen und deren Teil­nah­me an Ver­bands- bzw. Ein­zel­wett­kämp­fen orga­ni­siert durch den Ver­ein selbst oder ande­re Ver­ei­ne, sowie der Errich­tung und Unter­hal­tung von Sport­an­la­gen.

Dass sich ein Fuß­ball­club sei­ne Fans und Anhän­ger nicht aus­su­chen kann, leuch­tet sicher jedem ein. Kei­nes­wegs bestrei­ten wir die Exis­tenz des Pro­blems von rechts­ex­tre­men oder rechts­ori­en­tier­ten Per­so­nen inner­halb des Fan­la­gers des Ver­eins. In der Ver­gan­gen­heit gab es zum Leid­we­sen des FC Ener­gie Cott­bus Vor­fäl­le, die mit jed­we­der Här­te zu ver­ur­tei­len sind. Den­noch ist dies nur ein sehr gerin­ger Teil, dem lei­der all­zu oft viel zu viel Auf­merk­sam­keit „geschenkt“ wird. Vor allem medi­al wird das Bild nicht dif­fe­ren­ziert dar­ge­stellt, son­dern viel­mehr sti­li­siert und för­dert damit die­se Wahr­neh­mung in der Öffent­lich­keit. Die vie­len Din­ge, die der FC Ener­gie unter­nimmt, um sich klar und deut­lich zu posi­tio­nie­ren, wer­den nur wenig oder teil­wei­se gar nicht in den Fokus gerückt. Das ist sehr scha­de.

3) Wie setzt sich der Ver­ein für den Kampf gegen Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus sowie für mehr Viel­falt und Tole­ranz im Fuß­ball ein?

Der FC Ener­gie hat in der Ver­gan­gen­heit sehr vie­le Din­ge getan und unent­wegt „Flag­ge“ gezeigt, betei­lig­te sich regel­mä­ßig an Pro­jek­ten wie „Zeig Ras­sis­mus die Rote Kar­te“, „Jung gegen Rechts“, „Cott­bus bekennt Far­be“ und saß in der Jury des Cott­bu­ser Tole­ranz­prei­ses, war in Mann­schafts­stär­ke beim Staf­fel­lauf für Viel­falt und Tole­ranz des Stadt­sport­bun­des Cott­bus ver­tre­ten und unter­zeich­ne­te einen Koope­ra­ti­ons­ver­trag mit Fuß­ball-Lan­des­ver­band und Lan­des­sport­bund für Demo­kra­tie. Dar­über hin­aus trat der FC Ener­gie Cott­bus beim Pro­jekt „Bolz­platz gegen Rechts“ auf und rich­te­te das Fina­le der ganz­jäh­ri­gen Maß­nah­me „Kickern für Tole­ranz“ der Cott­bu­ser Grund­schu­len aus, unter­stütz­te die Grün­dung eines Fan­clubs in Nami­bia sowie ein Wai­sen­haus in Kame­run mit Sport­ma­te­ria­len. Der FC Ener­gie Cott­bus bekennt sich fort­wäh­rend aktiv zu Viel­falt und Tole­ranz, spricht sich unmiss­ver­ständ­lich gegen Frem­den­feind­lich­keit und Rechts­ex­tre­mis­mus aus. Im Janu­ar 2015 haben wir gemein­sam mit der AOK Nord­ost, der Inves­ti­ti­ons­bank des Lan­des Bran­den­burg (ILB) und dem dama­li­gen Druck­part­ner Laser­line die Initia­ti­ve „Ener­gie für Viel­falt und Tole­ranz“ ins Leben geru­fen.

Nach den unsäg­li­chen Vor­fäl­len im April 2017 beim Aus­wärts­spiel in Babels­berg hat der FC Ener­gie sein Enga­ge­ment noch­mals inten­si­viert und einen Maß­nah­men­plan ent­wi­ckelt, der sich breit­ge­fä­chert über ver­schie­de­ne The­men­fel­der erstreckt und mit diver­sen Hand­lungs­stra­te­gi­en ver­se­hen ist. Es wur­de ein „Run­der Tisch für Viel­falt“ ins Leben geru­fen, an dem Ver­tre­ter des Minis­te­ri­ums des Innern und für Kom­mu­na­les Bran­den­burg (MIK), Ver­bands­ver­tre­ter (DFB/NOFV), Bun­des- und Lan­des­po­li­zei, die Stadt Cott­bus sowie der Land­kreis Spree-Nei­ße, der Ver­fas­sungs­schutz, das Tole­ran­te Bran­den­burg sowie das Fan­pro­jekt Cott­bus teil­nah­men. Der FC Ener­gie befin­det sich aktu­ell dabei, die Finan­zie­rung einer ver­eins­ei­ge­nen Stel­le zur/zum Beauf­trag­ten für „Viel­falt und Tole­ranz“ zu rea­li­sie­ren, ist dabei aller­dings auf die Unter­stüt­zung der öffent­li­chen Hand ange­wie­sen.

Neben der Initia­ti­ve für „Viel­falt und Tole­ranz“ ist das kla­re Bekennt­nis „Kein Platz für Nazis“ beim FC Ener­gie hin­ter­legt und seit Beginn des Jah­res 2018 hat sich das Bünd­nis „Cott­bus ist bunt“, bestehend aus der BTU Cott­bus-Senf­ten­berg, dem Carl-Thiem-Kli­ni­kum, der LEAG, der Stadt Cott­bus, dem Cott­bu­ser Auf­bruch und dem FC Ener­gie Cott­bus orga­ni­siert. Nach­dem ein erfolg­rei­ches ers­tes Hal­len­fuß­ball­spiel am 13. Febru­ar 2018 in der Lau­sitz­are­na statt­fand wur­de kürz­lich zum zwei­ten Mal ein Freund­schafts-Fuß­ball­spiel gegen Ras­sis­mus und Gewalt ver­an­stal­tet. Unmit­tel­bar vor dem Dritt­li­ga­spiel gegen die Sport­freun­de Lot­te tra­ten BTU-Stu­die­ren­de unter ande­rem aus Nige­ria, Syri­en, Bra­si­li­en, Deutsch­land, Marok­ko und Tune­si­en gegen eine Fan­aus­wahl des FC Ener­gie an. Bei dem 30-minü­ti­gen Spiel, das die Stu­die­ren­den mit 2:1 gewan­nen, ging es nur am Ran­de um den sport­li­chen Erfolg; viel­mehr dar­um zu zei­gen, dass Fair­ness im Sport, im Beruf und in der Gesell­schaft in Cott­bus gelebt wird und das Cott­bus eine welt­of­fe­ne und tole­ran­te Stadt ist. Das Bünd­nis wird auch künf­tig wei­te­re gemein­sa­me Aktio­nen durch­füh­ren, an denen sich der FC Ener­gie ver­ant­wor­tungs­voll betei­li­gen wird.

Abschlie­ßend möch­ten wir zum Aus­druck brin­gen, dass wir uns als ein­zi­ger Pro­fi­club des gesam­ten Bun­des­lan­des und sport­li­ches Aus­hän­ge­schild der Regi­on, unse­rer sozia­len und gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung bewusst sind. Die­se Ver­ant­wor­tung neh­men wir wahr, sind jedoch nicht für das Han­deln Drit­ter ver­ant­wort­lich. Auch wenn der FC Ener­gie Cott­bus als Fuß­ball­ver­ein weder die sozia­len, gesell­schaft­lich oder poli­ti­schen Pro­ble­me des Lan­des lösen kann, sind wir stets bereit, in enger Zusam­men­ar­beit mit der Zivil­ge­sell­schaft unse­ren Bei­trag zu leis­ten.

Angriff von rechtsaußen

Wir beka­men am Mon­tag, den 15. Okto­ber, die Mög­lich­keit, mit Ron­ny Blasch­ke, einem bekann­ten frei­en Jour­na­lis­ten aus Ber­lin, zu spre­chen. Die­ser hielt einen Vor­trag über Rechts­ra­di­ka­lis­mus. Dar­in befass­te er sich aber nicht mit dem The­ma im All­ge­mei­nen, son­dern haupt­säch­lich damit, wie Radi­ka­le und Neo­na­zis, Sport­ar­ten, vor allem den Fuß­ball, nut­zen, um Wer­bung für sich zu machen, neue Mit­glie­der anzu­lo­cken und ihre Vor­stel­lun­gen zu ver­tre­ten. Basis für die­sen Vor­trag war eine aus­führ­li­che Recher­che Blasch­kes.

Doch statt sich ein­fach nur zu bele­sen, ist er selbst in die Sze­ne der Neo­na­zis und Hoo­li­gans ein­ge­stie­gen und hat Gesprä­che und Inter­views mit den Anhän­gern der Grup­pen geführt. Er berich­te­te sogar von einem Kon­zert, wel­ches er besu­chen woll­te, um eben­falls Ein­bli­cke in die Musik­sze­ne zu gewin­nen. Durch die­se Erfah­run­gen aus ers­ter Hand war es ihm mög­lich, sich ein wirk­li­ches Bild über die deut­schen Neo­na­zis und Hoo­li­gans in den Sta­di­en zu machen. Das bewun­der­ten wir sehr, was auch der Grund dafür war, dass Blasch­ke bis zum Schluss unse­re abso­lu­te Auf­merk­sam­keit hat­te.

Vie­le waren erstaunt über den Zuwachs, den die Sze­ne, auch durch den Fuß­ball, erfah­ren hat. Die Mas­se an Men­schen, die wei­ter­hin an die­ser mehr als ver­al­te­ten und fal­schen Ein­stel­lung fest­hal­ten, ver­blüff­te vie­le.

An der Fra­ge­run­de zum Schluss nah­men wir mit Begeis­te­rung teil. Auch das Feed­back im Nach­hin­ein war mehr als posi­tiv. Wir emp­fan­den Blasch­kes Vor­trag als infor­ma­tiv und abwechs­lungs­reich, vor allem, weil nahe­zu alle sei­ne Infor­ma­tio­nen aus ers­ter Hand sind und auf per­sön­li­chen Gesprä­chen basie­ren.

Eine kla­re Mehr­heit von uns emp­fand die­ses Pro­jekt als sehr inter­es­sant und wünscht sich in Zukunft vie­le wei­te­re Gesprä­che mit Jour­na­lis­ten, die uns in ihre Arbeit ein­tau­chen las­sen.

Lucas Schlü­ter

 

Ron­ny Blasch­ke im Inter­view © Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bildung/bpb (2014)

„Was ist das schlimmste, was du je als Nazi gemacht hast?“ - „Offenes Haus NRW“ im Gespräch mit Maik Scheffler

Heu­te ist der „Inter­na­tio­na­le Tag gegen Ras­sis­mus”: Seit 1966 wird am 21. März an das Mas­sa­ker von Shar­pe­vil­le in Süd­afri­ka gedacht: Im März 1960 demons­trier­ten dort meh­re­re Tau­send Men­schen gegen die Pass­ge­set­ze des Apart­heid-Regimes. Die gewalt­freie und fried­li­che Pro­test­ak­ti­on wur­de blu­tig nie­der­ge­schla­gen. 69 Men­schen star­ben. Fast 60 Jah­re spä­ter gibt es zwar Fort­schrit­te im Kampf gegen Ras­sis­mus, den­noch besteht er auf allen Ebe­nen unse­rer Gesell­schaft fort.

Anläss­lich des Welt­ta­ges gegen Ras­sis­mus könnt ihr heu­te bei „Ber­tas Blog” ein Inter­view mit dem ehe­ma­li­gen NPD-Mit­glied Maik Scheff­ler lesen, das er unse­ren Freun­den von der Schü­ler­zei­tung „Offe­nes Haus NRW” gege­ben hat. Er arbei­tet heu­te als Refe­rent für „EXIT-Deutsch­land”, einem Aus­stei­ger­pro­gramm für Per­so­nen aus der rechts­ex­tre­men Sze­ne. Ihnen erzähl­te er von sei­ner Ver­gan­gen­heit als Rechts­ex­tre­mist und den beson­de­ren Bedin­gun­gen in sei­ner Hei­mat, die zu extre­mis­ti­schen Ten­den­zen geführt haben.

Offe­nes Haus NRW: Haben Sie noch Inter­es­se an Poli­tik? Bei der AfD mein­ten Sie im Vor­ge­spräch, da wür­de es nicht gehen. Wol­len Sie sich bei der CDU, SPD oder ande­ren Par­tei­en bewer­ben?

Maik Scheff­ler: (lacht) Ich glau­be mei­ne Bewer­bungs­chan­cen wären recht schlecht. Außer gera­de bei der CDU in Sach­sen, die haben gera­de so einen Rechts­ruck. Also ich habe noch immer gro­ßes Inter­es­se an Poli­tik. Ich ver­fol­ge sie und las­se auch oft mei­ne Mei­nung da. Sehr sel­ten nur noch, weil ich ja frü­her immer sehr prä­sent in sozia­len Netz­wer­ken war. Ich habe in Sach­sen laut einer Sta­tis­tik als Poli­ti­ker die meis­ten Ver­an­stal­tun­gen gege­ben und die zweit­meis­ten Reden gehal­ten.

Ich woll­te erst­mal nichts mehr davon hören. Aber man kriegt das ja nie los, sieht kla­rer, weil man sich damit beschäf­tigt. Ich sehe die AfD mit einem kla­ren Bild. Die AfD besteht nicht nur aus Rechts­ex­tre­mis­ten. Die AfD hat einen rie­si­gen Flü­gel davon, es sind sehr vie­le Rechts­ex­tre­mis­ten da drin und es sind vie­le Nazis. Aber auf der ande­ren Sei­te gibt es sehr vie­le Men­schen, die man frü­her rechts zur CDU gese­hen hät­te. Aber die­se Flü­gel wis­sen selbst, dass sie eigent­lich nicht zusam­men­pas­sen. Aus wahl­stra­te­gi­schen Grün­den wer­den sie krampf­haft zusam­men­ge­hal­ten. Sowas wird für mich nie­mals eine Opti­on sein. Die SPD auch nicht, aber aus pro­gram­ma­ti­scher Sicht nicht.

Ich hab’ mir mal über­legt bei den Frei­en Wäh­lern nur noch auf kom­mu­na­ler Ebe­ne tätig zu sein. Weil ich noch im Stadt­rat und im Kreis­rat bin. Natür­lich ohne NPD-Man­dat. Ich bin jetzt ein­fach par­tei­los. Und ich denk’ mal, wenn man etwas ver­än­dern kann, dann nur auf kleins­ter Ebe­ne. Von der CDU sind schon wel­che auf mich zuge­kom­men, die mit mir reden woll­ten. Es kann auch pas­sie­ren, dass ich am Ende sage: „Ich bin eigent­lich zufrie­den mit dem was ich mache. Las­sen wir das mal mit der Poli­tik.“. Ich weiß es also noch nicht.

Wei­ter­le­sen

„Nein, ich glaube, die Demokratie befindet sich derzeit nicht in einer Krise.“ - Interview mit Florian Engels (Teil 4)

Abschlie­ßend haben wir mit Flo­ri­an Engels über die Demo­kra­tie in Deutsch­land gespro­chen. Wir haben ihn auch gefragt, wie er die Lage der Geflüch­te­ten in Bran­den­burg und den Stand der Inte­gra­ti­on ein­schätzt - nach den Mes­ser­at­ta­cken von syri­schen Jugend­li­chen in Cott­bus. Am inter­es­san­tes­ten fan­den wir sei­ne Mei­nung zur AfD.

Ber­tas Blog: Wie den­ken Sie über Kin­der­rech­te in Deutsch­land?

Flo­ri­an Engels: Mit der Geburt ist jeder Mensch gleich, egal ob er in Ban­gla­desch, im Sene­gal, in Deutsch­land, in Forst oder in Cott­bus gebo­ren ist. Er hat das Recht, ein frei­er Mensch zu sein, dem kei­ne Gewalt ange­tan wer­den darf. Das ist ein Grund­satz. Zu den Kin­der­rech­ten gibt es eine UN-Kon­ven­ti­on. Es gibt auch Über­le­gun­gen, sie in das Grund­ge­setz auf­zu­neh­men. Ob sich die Situa­ti­on für Kin­der in Deutsch­land ver­bes­sern wür­de, wenn Kin­der­rech­te in die Ver­fas­sung kämen, weiß ich nicht ganz genau, weil Men­schen­rech­te, die auch Kin­der­rech­te sind, schon im Grund­ge­setz garan­tiert wer­den. Mit den Rech­ten sind auch Pflich­ten ver­bun­den. Das gilt für Kin­der wie für Erwach­se­ne. Es gibt für Kin­der kei­ne unein­ge­schränk­ten Rech­te. Ihre Frei­heits­rech­te wer­den durch gesell­schaft­li­che Ver­ein­ba­run­gen – zum Bei­spiel Geset­ze – begrenzt, z. B. dass Kin­der zur Schu­le gehen müs­sen. In man­chen Staa­ten Asi­ens ist z. B. Kin­der­ar­beit rech­tens. Das ist für uns über­haupt nicht rech­tens. Aber wir kön­nen für die Kin­der dort etwas tun, z. B. nur Waren kau­fen, die nicht aus Kin­der­ar­beit kom­men oder einen „fair trade“-Siegel haben.

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