Von den Schwierigkeiten des T-Shirt-Shoppens

Ich bin eine Feu­er­wehr­frau. Und weil das ziem­lich cool ist, war ich letz­tens auf der Suche nach einem genau­so coo­len Shirt. Ich such­te also nach „Fire­figh­ter womans-clo­thes” (Im Übri­gen ist das Wort „fire­figh­ter” phan­tas­tisch. Zum einen, weil es geschlechts­neu­tral ist, nicht wie im Deut­schen „Feu­er­wehr­mann” und „Feu­er­wehr­frau”, zum ande­ren, weil es ein­fach hun­dert mal coo­ler klingt.) und wur­de wie immer auf Red­bub­b­le fün­dig. Die ers­ten zehn T-Shirts bezo­gen sich auch wahr­haf­tig auf weib­li­che Feu­er­wehr­leu­te, waren aller­dings nicht gera­de hübsch. Alle ande­ren 1.088 Ergeb­nis­se tru­gen Schrift­zü­ge wie „Fire­figh­ter girl­fri­end”, „Fire­figh­ter wife”, „Sor­ry, this girl is taken by a hot & sexy fire­figh­ter”, „pro­per­ty of a xxl fire­figh­ter” und ähn­li­che. So weit, so beschi**en.

Aber dann sprang mich die­ses Shirt an. Und das setzt dem Gan­zen doch wahr­haf­tig die (rosa glit­zern­de Prinzessinnen-)Krone auf! „Mei­nen Feu­er­wehr­mann zu ver­mis­sen, ist mein Hob­by. Für ihn zu sor­gen, ist mein Job. Ihn glück­lich zu machen, ist mei­ne Pflicht und ihn zu lie­ben, ist mein Leben.“

Ich sehe durch­aus ein, dass nicht jede Frau sel­ber Feu­er­wehr­frau sein will und muss. Ich sehe auch ein, dass eine Frau durch­aus stolz dar­auf sein kann, dass ihr Freund/Mann ein Feu­er­wehr­mann ist. Aber kann sie nicht trotz­dem ein eigen­stän­di­ges, unab­hän­gi­ges, frei­es Indi­vi­du­um blei­ben? Ist frau das „Eigen­tum“ von jeman­dem? Und wenn du nicht gera­de die Alten- oder Kran­ken­pfle­ge­rin oder Pri­vat­pro­sti­tu­ier­te des besag­ten Man­nes bist, ist es nicht dein Job für ihn zu sor­gen und nicht dei­ne Pflicht, ihn glück­lich zu machen! Ich mei­ne, mal ehr­lich, gibt es wirk­lich eine Frau, die so etwas tra­gen wür­de? Gibt es wirk­lich Leu­te, die nicht bemer­ken, wie sexis­tisch und frau­en­un­ter­drü­ckend sol­che Sprü­che sind?

Ich weiß, ich ten­die­re dazu, in sol­chen Situa­tio­nen viel­leicht ein win­zi­ges biss­chen über­zu­re­agie­ren. Aber ihr könnt mir nicht erzäh­len, dass man Hard­corefe­mi­nist sein muss, um zu ahnen, dass die­ser Spruch sexis­tisch ist.

Für alle, die bei die­sem klei­nen emo­ti­ons­ge­la­den Rede­schwall nicht ganz mit­ge­kom­men sind, erklä­re ich es jetzt noch mal etwas deut­li­cher: Die­ser Spruch impli­ziert, dass der Sinn der Frau ein­zig und allein dar­in besteht, sich um ihren Mann zu küm­mern - erst recht wenn er ein Held ist. Frau hat den lie­ben lan­gen Tag nichts ande­res zu tun, als ihren Gelieb­ten zu ver­mis­sen, sich Gedan­ken dar­über zu machen, wie sie ihn glück­lich machen kann und ihn zu hegen und zu pfle­gen. Der Mann muss - ins­be­son­de­re als Feu­er­wehr­mann - schließ­lich hart arbei­ten und da ist es die Pflicht - ja, sogar der Job der Frau, ihm das Leben so ange­nehm wie mög­lich zu gestal­ten. Hach ja, wun­der­bar, sol­che geord­ne­ten Ver­hält­nis­se, nicht war?

Moment, man rei­che mir eine Zei­tung! Oh, 2017! Das heißt ja, lasst mich rech­nen... 21. Jahr­hun­dert! Und... und was steht hier noch...? Frau­en dür­fen einer Arbeit nach­ge­hen? Wir haben eine Bun­des­kanz­le­rIN? Das wirkt ja fast so, als ob Frau­en doch mehr kön­nen, als Män­ner glück­lich zu machen. Ich mei­ne, ich glau­be nicht, dass die wich­tigs­ten Gedan­ken unse­rer Bun­des­kanz­le­rin sich dar­um dre­hen, was sie ihrem Mann wohl heu­te Schmack­haf­tes zum Abend­essen zau­bern könn­te und ob sie ihm nach sei­ner schwe­ren Arbeit nicht viel­leicht noch die Füße mas­sie­ren soll­te. Nicht zu fas­sen.

Angry-Femi­nist-mode off.
Und ich habe immer noch kein coo­les Fire­figh­ter-Shirt.

 

PK


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