Wingdings, Dingsbums, Vampire und die Juden

Auch im neu­en Jahr wol­len wir euch natür­lich mit dem Bes­ten ver­sor­gen, was die Ver­schwö­rungs-Bran­che so zu bie­ten hat.

Eigent­lich woll­ten wir es zum Anfang des wun­der­ba­ren Jah­res 2017 (Übri­gens, ist euch schon auf­ge­fal­len: Die Quer­sum­me von 2017 ist 10, und 10 mul­ti­pli­ziert mit der ers­ten Zahl, die einer zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Per­son ein­ge­fal­len ist, 3, ergibt 30. 30 ist das Alter einer mit­tel­al­ten Frau. Mei­ne Mut­ter ist eine mit­tel­al­te Frau. Müt­ter sind sehr lie­be­voll. Lie­be führt zu Abhän­gig­keit. Abhän­gig sind wir auch von Schlaf. Wenn wir schla­fen, ist es dun­kel. Vam­pi­re lie­ben die Dun­kel­heit und ver­ste­cken sich des­we­gen am Tag. Manch­mal auch in einem Büro. Schul­lei­ter sit­zen in einem Büro, und ver­las­sen die­ses, wenn es dun­kel wird. Herr Röger ist ein Vam­pir.) ein wenig ruhi­ger ange­hen las­sen, wes­we­gen wir Goog­le nach „Süße Ver­schwö­rungs­theo­ri­en“ suchen lie­ßen, aber das führ­te nur zu jeder Men­ge Aspar­tam-Ver­schwö­run­gen, der Theo­rie, dass die Queen in Wirk­lich­keit ein außer­ir­di­sches Rep­til ist und nied­li­chen Hun­de­wel­pen.

Aber dann stie­ßen wir auf die fol­gen­de Theo­rie, die wir alle ver­mut­lich schon mal irgend­wann irgend­wie irgend­wo gehört haben: Die­se merk­wür­di­ge Word-Schrift­art, die den Anschlag auf das WTC abbil­det. Wing­dings.

Die­se Ver­schwö­rungs­theo­rie zumin­dest nach­zu­stel­len, ist denk­bar ein­fach. Man neh­me sich Micro­soft Word, eine selt­sam klin­gen­de Schrift­art, eine Ket­te aus Num­mern und Zah­len, von der man­che sagen, es wäre die Flug­num­mer eines der Flug­zeu­ge, die in der WTC gesteu­ert wur­den, und man hat eine ziem­lich unmiss­ver­ständ­lich Bot­schaft. PS: Nicht ver­ges­sen, die Schrift­grö­ße auf 72 zu stel­len.

Soweit die halb­wegs gesi­cher­ten Tat­sa­chen.

Was die Sache so kom­pli­ziert macht, ist die Tat­sa­che, dass im Vor­läu­fer die­ser Schrift­art, Web­dings, in der Tat bewusst Bot­schaf­ten ein­ge­ar­bei­tet wur­den. So auch, wenn es um New York geht.

Tippt man in Web­dings N-Y-C, so erhält man ein durch­aus net­tes Bild mit einem Auge, einem Herz und einer Sky­line. Sprich: I love New York. Sehr roman­tisch.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn die Schrift­art auf den Nach­fol­ger Wing­dings umge­stellt wird. Denn nun bli­cken einem ein Schä­del mit gekreuz­ten Kno­chen, ein David­stern und ein Dau­men-Hoch-Sym­bol ent­ge­gen. Nicht sehr roman­tisch.

Und nun gehen die Schuld­zu­wei­sun­gen los. Zwar wur­de die Schrift­art in Word von Micro­soft ver­öf­fent­licht, jedoch nicht auch von Micro­soft ent­wi­ckelt, son­dern von einem außen­ste­hen­dem Desi­gner. Die­ser bestä­tig­te dies auch, ver­wies jedoch dar­auf, dass Micro­soft das fina­le „map­ping“, also das Zuwei­sen der ein­zel­nen Sym­bo­le auf ent­spre­chen­de Tas­ten, allein vor­ge­nom­men hat.

Micro­soft wies dar­auf­hin sämt­li­che Vor­wür­fe, man hät­te absicht­lich eine solch Bele­gung vor­ge­nom­men, jedoch zurück und ant­wor­te­te, frei über­setzt, dass wenn man wild auf sei­ner Tas­ta­tur rum­häm­me­re, um „Satan“ zu schrei­ben, dann kön­ne man dies durch­aus machen, aber es wäre uner­hört, Micro­soft Anti­se­mi­tis­mus zu unter­stel­len.

Irgend­wann misch­ten sich dann auch noch ein paar Mathe­ma­ti­ker ein und berei­cher­ten die Dis­kus­si­on mit der Erkennt­nis, dass die Wahr­schein­lich­keit, dass es sich hier­bei um einen Zufall han­delt, bei 1 zu 1 Bil­lio­nen liegt.

All dies geschah bereits 1992, also neun Jah­re vor dem Anschlag des 11. Sep­tem­ber.

Nach die­sem wur­de die gan­ze Geschich­te selbst­ver­ständ­lich noch­mal wie­der aus­ge­gra­ben, und in die­sem Zuge wur­de noch eine wei­te­re Mor­bi­di­tät ent­deckt: Das bereits ange­spro­che­ne Q33NY und sei­ne kor­re­spon­die­ren­den Sym­bo­le.

Zufall? Bei einer Wahr­schein­lich­keit von weni­ger als 1 zu 1 Bil­lio­nen? Oder war Micro­soft, die­se Inter­pre­ta­ti­on läge nahe, viel­leicht sogar in den Anschlag ver­wi­ckelt?

Allem Anschein nach ja. Einer­seits sind da die Erstel­ler der Schrift­art, die, von einem Kol­le­gen, als zwei der fried­lichs­ten und net­tes­ten Men­schen beschrie­ben wur­den, die wohl je auf der Erde wan­del­ten. Ande­rer­seits der Fakt, dass Q33 weder als Mar­kie­rung auf einer der ent­führ­ten Flug­zeu­ge stand, noch es sich hier­bei um eine der Flug­num­mern han­delt. Dies wur­de schlicht erfun­den. Auch sind die Sym­bo­le, bei nähe­rer Betrach­tung, nur auf dem ers­ten Blick kon­klu­siv. Denn  was man tat­säch­lich sieht, sind ein Flug­zeug, zwei Blät­ter Papier mit Lini­en drauf, ein Toten­kopf und ein David­stern. Jedoch wur­de die­ser Angriff weder von Juden aus­ge­führt, noch hat­te er expli­zit Juden zum Ziel. Nichts deu­tet hier­bei also auf New York oder sogar die­sen spe­zi­el­len Anschlag hin.

Kri­ti­ker füh­ren über­dem ins Feld, dass die­se ... unglück­li­chen Zei­chen­fol­gen, obwohl längst bekannt, immer noch nicht von Micro­soft kor­ri­giert wur­den. Der Grund hier­für ist jedoch recht ein­fach, und wird noch deut­li­cher, wenn man sich bewusst macht, wofür Wing­dings ent­wi­ckelt wur­de. Als Sym­bol­spra­che. Sprich als eine Spra­che, die selbst dann ver­stan­den wer­den kann, wenn man des Alpha­be­tes nicht mäch­tig ist. Und hier ein­fach Ver­än­de­run­gen vor­zu­neh­men, wür­de sich auch auf das aus­wir­ken, was im Lau­fe der Jah­re (immer­hin gibt es die­se Schrift­art ja schon seit ziem­li­cher Zeit) in die­ser Schrift­art geschrie­ben wur­de. Es wäre, als wür­de man ein­fach ein paar Buch­sta­ben unse­res Alpha­bets neh­men, und durch­ein­an­der­wir­beln. Nicht son­der­lich pro­duk­tiv. Des­we­gen hat Micro­soft sich bewusst dafür ent­schie­den, die Schrift­art, trotz der anti­se­mi­ti­schen Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten, in sei­ner ursprüng­li­chen Form zu belas­sen.

Einem Kon­zern wie Micro­soft Anti­se­mi­tis­mus zu unter­stel­len, auf­grund einer zuge­ge­ben unglück­li­chen Ver­ket­tung von Zei­chen, wur­de dann jedoch doch zu weit gehen. Sol­che Din­ge kön­nen pas­sie­ren, müs­sen es sogar irgend­wann mal, bei all den Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Aus dem sel­ben Grund kann man auch so viel in der Bibel fin­den, wenn man denn möch­te, ein­fach, weil die­se so umfang­reich ist.

Voll­kom­men absurd schließ­lich ist die Über­le­gung, dass Micro­soft in den Anschlag des 11. Sep­tem­ber invol­viert wäre. Weder hat die Zei­chen­fol­ge irgend­et­was mit dem Anschlag zutun, noch bezieht sich die­se in einer belast­ba­ren Art und Wei­se auf die­sen Anschlag.  Dies ist schlicht nur eine Ver­schwö­rungs­theo­rie, mit ein paar Indi­zi­en, doch ohne belast­ba­re Bewei­se.

 

Konn­ten wir euch über­zeu­gen?

Habt ihr viel­leicht selbst eine Ver­schwö­rungs­theo­rie, der wir mal auf den Grund gehen soll­ten?

Dann schreibt es uns bit­te ein­fach als Kom­men­tar unter die­sen Arti­kel, und wir wer­den uns dar­um küm­mern.

 

Bis dahin, bleibt kri­tisch, und bis zum nächs­ten Mal.

 

Quel­len:

Bro­de­rick, Don: „Anti-Jewish Code Lurks in Popu­lar Soft­ware“. In: New York Post vom 29. April 1992 (p. D1).

Glas­ner, Joan­na: „MS Denies Wing­ding Thing, Again“. In: Wired vom 22. Sep­tem­ber 2001.

Jil­let­te, Penn: „I Heart My Dog’s Head“. In: PC Com­pu­ting von August 1992.

Mikkel­son, David (2016): „Wing­dings. Does Microsoft’s Wing­dings font con­tain hid­den anti-Semi­tic codes?“

 

JB
AW


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