Zeitreise mit starkem Herzschlag

Schloss in Bad Mus­kau

Am 24. Febru­ar 2018 war unser gro­ßer Tag, auf wel­chen wir seit der Pro­jekt­wo­che im Janu­ar hin­ge­ar­bei­tet hat­ten: unser Auf­tritt mit dem Stück „Zeit­rei­se“ zur Grün­dung des neu­en Euro­päi­schen Park­ver­bun­des Lau­sitz im Schloss in Bad Mus­kau. Mein ers­ter Gedan­ke, als ich vor dem Schloss stand, war ein­fach nur „WOW, kann man das ‚kau­fen’?”: Es war rie­sig, impo­sant, voll Türm­chen, mäch­tig alt und gut in Schuss. Als wir dann die Ein­gangs­tür durch­schrit­ten, hät­te ich Stun­den lang in der Emp­fangs­hal­le ste­hen und mir die his­to­ri­sche Pracht anse­hen kön­nen.

Doch das ging nicht, wir wur­den schon im Saal erwar­tet, um die Büh­ne zu inspi­zie­ren, die Tech­nik zu instal­lie­ren, Sprech­pro­ben zu machen und den Ablauf noch ein­mal durch­zu­ge­hen. Der ver­ant­wort­li­che Lei­ter der Ver­an­stal­tung, Herr Sven Zuber, wies uns noch dar­in ein, wie durch uns die Groß­pla­ka­te an die Park­chefs von Bra­nitz, Forst, Mus­kau, Bro­dý, Zagan, Zato­nie, Neschwitz, Alt­dö­bern und Krom­lau über­reicht wer­den soll­ten, wir „muss­ten“ also zwei Mal auf die Büh­ne – Auf­re­gung pur.

Als das erle­digt war, bezo­gen wir unse­ren Auf­ent­halts­raum, das Braut­zim­mer des Schlos­ses. Es zeig­te sich ein zau­ber­haf­tes Turm­zim­mer. Da wir auf das Hei­ra­ten nicht vor­be­rei­tet waren, spiel­ten wir ein­fach mal, dass wir hoch­herr­schaft­li­che adli­ge Schloss­be­sit­zer sei­en und grüß­ten erha­ben aus den Fens­tern vor­bei­lau­fen­de Besu­cher. In unse­ren Kos­tü­men spiel­ten wir unser Stück noch­mals durch und mach­ten unzäh­li­ge Fotos. Je näher der Auf­tritt rück­te, umso ner­vö­ser wur­den wir, spra­chen uns gegen­sei­tig unse­ren Text vor, kon­zen­trier­ten uns und atme­ten tief ein und aus. Mit jeder Minu­te, die ver­strich, stieg ein Stück­chen mehr Angst in mir hoch.

Dann war es soweit.

Wir wur­den auf die Büh­ne geru­fen. In die­sem Moment wäre ich am liebs­ten tot umge­fal­len. Mei­ne Bei­ne lie­fen dann aber doch los, da mein Kopf sen­de­te „Über­win­de dich!”. Als ich auf der Büh­ne hin­ter der Stell­wand, vom Publi­kum noch nicht gese­hen, auf mein Ein­satz­zei­chen war­te­te, zit­ter­te ich wie Espen­laub. Mein Mit­spie­ler Johann sag­te: „Guckt doch, Annas Herz springt raus“. Noch nie habe ich mein Herz so pochen sehen, es beb­te, so ner­vös war ich. Jedoch blieb kei­ne Zeit für Beob­ach­tun­gen, mei­ne Figur muss­te auf die Büh­ne. Mein letz­ter Gedan­ke war: „Es wird schon schief gehen”. Und dann betrat Prin­zes­sin Doro­thea von Kur­land, spä­te­re Grä­fin de Tal­ley­rand-Péri­gord, Her­zo­gin von Dino und Her­zo­gin von Sagan die Büh­ne, also ich. Von da an war ich in mei­ner Rol­le, zeit­wei­se reichs­te Frau Euro­pas… was soll­te also schief­ge­hen. Na ja, ein Text­ver­haspler, ein Mikro­aus­set­zer, aber ein völ­lig neu­es Gefühl vor über 200 Men­schen zu ste­hen und sich zu prä­sen­tie­ren. Der don­nern­de Applaus am Ende war die Auf­re­gung wert.

Ich glau­be für alle spre­chen zu dür­fen, es war für uns eine völ­lig neue Erfah­rung, für jeden ein­zel­nen und für uns als Team und es war ein schö­ner Tag.

 

Anna Adolf


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